Ein Blick hinter die Kulissen unserer Gärtnerei
Halten Sie manchmal eine kräftige Wildstaude in der Hand, vielleicht eine Glockenblume oder eine Schafgarbe, und fragen sich, welche Reise sie hinter sich hat, bevor sie in Ihrem Garten ein neues Zuhause findet? Für uns Gärtner ist der Frühling nicht nur die Zeit des Erwachens, sondern auch eine Zeit des Rhythmus und der Bewegung. Es ist die Zeit, in der Tausende kleiner Setzlinge ihre “Kinderstube” verlassen und in ihre eigenen Töpfe ziehen. Dieser Prozess ist eine faszinierende Mischung aus moderner Technik und sorgsamer Handarbeit. Denn damit eine Pflanze später Insekten nähren und Wind und Wetter trotzen kann, braucht sie einen perfekten Start. In unserer Gärtnerei verlassen wir uns dabei auf einen treuen Helfer: unsere Topfmaschine der Firma Meyer. Doch wie genau funktioniert das Zusammenspiel aus Erde, Maschine und Mensch? Lassen Sie uns gemeinsam einen Schritt in die Produktionshalle wagen, wo es nach frischem Substrat duftet und das gleichmäßige Surren der Bänder den Takt vorgibt.
Wisst ihr, was mich immer wieder aufs Neue verzaubert, wenn ich hier durch die Gärtnerei krieche?
Rosi Raupe
Es ist dieser Moment der Transformation. Ich habe neulich beobachtet, wie die ganz kleinen, zarten Sämlinge, die kaum größer waren als mein eigener Kopf, in die Halle gebracht wurden. Sie wirken so zerbrechlich, fast verloren. Und dann beginnt dieses rhythmische Klackern der Topfmaschine. Für mich als Raupe sieht der Drehkranz aus wie ein riesiges Karussell auf einem Jahrmarkt. Die Töpfe fahren Runde um Runde, und jedes Mal, wenn sie an den Gärtnerhänden vorbeikommen, passiert das Wunder: Aus einem leeren Plastikgefäß wird ein bewohntes Haus. Es hat etwas Beruhigendes, fast Meditatives, diesem Kreislauf zuzuschauen. Manchmal sitze ich auf einem Blatt in der Ecke und denke mir: So wie diese Pflanzen jetzt ihren Platz finden, finde auch ich irgendwann meinen Kokon. Alles hat seine Zeit und seinen Ort.”
Das Herzstück der Arbeit: Die Meyer-Topfmaschine
Wenn wir von “Topfen” sprechen, denken viele an einen Gärtner, der gemütlich an einem Tisch steht und mit einer kleinen Schaufel Erde in einen Topf füllt. Bei ein paar Dutzend Pflanzen für den heimischen Balkon ist das auch genau der richtige Weg. Aber wenn wir im Frühjahr tausende von Wildstauden für Ihre Naturgärten vorbereiten, brauchen wir Unterstützung. Hier kommt unsere Meyer-Topfmaschine ins Spiel. Sie ist keine kalte Industrieanlage, sondern eher ein präzises Werkzeug, das uns die schwere körperliche Arbeit abnimmt, damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können: die Pflanze selbst.
Der Prozess beginnt am sogenannten Bunker. Stellen Sie sich einen großen Trichter vor, der mit unserer speziellen Erdmischung gefüllt ist. Diese Erde ist die Basis für alles Leben, das später in Ihrem Garten entstehen soll. Aus diesem Bunker fällt die Erde auf ein Förderband, das sie stetig nach oben transportiert. Es ist der erste Schritt der Reise. Oben angekommen, wartet der Drehkranz – das “Karussell”, von dem Rosi sprach. Hier laufen die leeren Töpfe im Kreis. Während sie sich drehen, fällt die Erde vom Förderband passgenau in die Töpfe. Doch ein voller Topf allein reicht noch nicht. Die Erde muss vorbereitet werden, um die Wurzeln aufzunehmen. Ein integrierter Bohrer senkt sich automatisch in jeden einzelnen, mit Erde gefüllten Topf und bohrt ein Loch. Und zwar nicht irgendein Loch, sondern eines, das exakt die Größe des Wurzelballens der Jungpflanze hat. Das ist entscheidend: Ist das Loch zu klein, werden die Wurzeln gestaucht; ist es zu groß, haben sie keinen Halt. Die Maschine sorgt hier für eine Präzision, die wir von Hand stundenlang kaum aufrechterhalten könnten. In diese vorgebohrten Löcher setzen unsere Mitarbeiter dann per Hand die kleinen Pflanzen. Hier endet die Arbeit der Maschine und das menschliche Fingerspitzengefühl übernimmt. Denn wie tief eine Pflanze sitzen muss und wie fest sie angedrückt werden sollte, das spüren am besten die erfahrenen Hände unserer Gärtner.
Vom Gewächshaus in die Freiheit: Abhärtung für ein langes Leben
Sobald die Pflanze sicher in ihrem neuen Topf sitzt, ist ihre Reise durch die Maschine beendet, aber ihr Weg zur verkaufsfertigen Staude fängt gerade erst an. Direkt vom Drehkranz werden die frisch getopften Pflanzen in Kisten gesetzt. Diese Kisten sind das Transportmittel in ihr vorübergehendes Quartier: das Gewächshaus. Hier herrschen Bedingungen wie auf einer Intensivstation für Pflanzen – es ist warm, die Luftfeuchtigkeit ist hoch, und sie werden sofort gegossen. Das Wasser schließt die Erde um die Wurzeln, damit diese sofort Kontakt zu den Nährstoffen bekommen und anwachsen können. In dieser Phase sind die Pflanzen noch empfindlich. Sie müssen sich von dem “Stress” des Umtopfens erholen und neue Feinwurzeln bilden.
Doch eine Wildstaude, die nur das verhätschelte Klima eines Gewächshauses kennt, wäre in Ihrem Naturgarten kaum überlebensfähig. Sie wäre zu weich, zu instabil. Deshalb folgt der nächste, entscheidende Schritt: Sobald die Pflanzen gut durchwurzelt und ein Stück gewachsen sind, müssen sie raus. Sie kommen aus den Kisten heraus und werden auf unseren Außenbeeten aufgestellt. Wir nennen das “Rücken” oder “Auseinanderstellen”. Das hat einen ganz pragmatischen Grund: Wenn Pflanzen zu eng stehen, konkurrieren sie um Licht. Sie schießen in die Höhe, werden “geil” (wie der Gärtner sagt) und instabil. Auf den Beeten bekommen sie mehr Platz. Wind und Wetter härten sie hier ab. Sie spüren den Regen, die kühleren Nächte und die echte Sonne. Das macht sie robust, kompakt und widerstandsfähig – genau so, wie Sie es sich für Ihren Garten wünschen. Erst wenn sie hier kräftig genug geworden sind, sind sie bereit für den Verkauf.
Rosi Raupes Grüner Daumen-Tipp:

“Achtet beim Kauf oder beim eigenen Umtopfen immer darauf, dass ihr der Pflanze nicht ‘den Hals zudrückt’. Was ich damit meine? Wenn die Pflanzen in die vorgestanzten Löcher gesetzt werden, dürfen sie nicht viel tiefer in die Erde kommen, als sie vorher im kleinen Anzuchttopf standen. Der Wurzelhals – also die Stelle, wo die Wurzeln in den Stängel übergehen – ist empfindlich. Wenn der zu tief unter der Erde vergraben ist, kann er faulen. Wenn er zu weit rausschaut, trocknen die oberen Wurzeln aus. Es ist wie bei einem Schal: Er soll wärmen, aber nicht würgen. Schaut also genau hin, ob die Pflanze ‘frei atmen’ kann!”
So schließt sich der Kreis in unserer Gärtnerei
Was als kleiner Setzling begann, durchläuft dank der Meyer-Maschine und vieler fleißiger Hände einen Prozess der Stärkung und des Wachstums.
Wenn Sie das nächste Mal durch unsere Reihen schlendern und die Vielfalt der Blätter und Blüten bewundern, wissen Sie nun, wie viel Bewegung in jedem einzelnen Topf steckt.
Es ist diese Kombination aus technischer Unterstützung und gärtnerischer Geduld, die es uns ermöglicht, Ihnen Pflanzen anzubieten, die nicht nur schön aussehen, sondern auch einen echten Beitrag zur Biodiversität leisten können. Jede Staude, die unser Gelände verlässt, ist bereit, in Ihrem Garten Insekten zu nähren, Boden zu beleben und Teil eines neuen, kleinen Ökosystems zu werden. Und vielleicht, wenn Sie ganz genau hinhören, summt sie noch ein wenig im Rhythmus des Drehkranzes.







